Bildung – Transfer – Verantwortung
Das Historische Institut widmet sich der Erforschung historischer Bildungsprozesse und des Wissenstransfers in die Gesellschaft. Im Mittelpunkt steht hierbei die geschichtsdidaktische Forschung, die das historische Lernen sowohl in schulischen Kontexten als auch an vielfältigen außerschulischen Orten grundlegend untersucht. Ein zentrales wissenschaftliches Anliegen ist die Analyse und Förderung von Teilhabe an der Geschichtskultur, die Betrachtung und Erweiterung reflexiver historischer Urteilsfähigkeiten und damit zur Möglichkeit mündiger Partizipation in einer demokratischen Gesellschaft sowie die Durchführung geschichtstheoretischer Erkundungen zur Reflexion des Geschichtsbewusstseins in der Gesellschaft. Das Institut untersucht zudem die kulturellen Formen der Instrumentalisierung von Geschichte in Vergangenheit und Gegenwart, stets mit Blick auf zukünftige Herausforderungen. Dies manifestiert sich u.a. in Forschungen zur „moral history“, sozialer Ungleichheit (etwa Disability History) sowie Global- oder Alter Geschichte und deren Vermittlung in unterschiedlichen Bildungskontexten.
Der größte und effektivste Transfer von Wissenschaft findet über schulische Bildung statt. Nicht nur in Anbetracht eines Anteils von über zwei Dritteln Lehramtsstudierender am Historischen Institut besteht hier eine besondere gesellschaftliche Verantwortung, wissenschaftliche Erkenntnisse und Denkformen über formale Bildungswege in die Gesellschaft zu transferieren. Daneben sind außerschulische Bildungseinrichtungen und Einrichtungen der nonformalen Bildung Adressaten von Forschungstransfer über verschiedene Transferprojekte in der Schnittstelle zur Public History.
Dabei werden vor allem drei Felder adressiert: Erstens hat sich das forschende Lernen zwar als vielversprechend für die Förderung historischen Denkens und historischer Methodenkompetenz erwiesen, aber über die Wirksamkeit solcher Ansätze in der Geschichtswissenschaft ist wenig bekannt. Zukünftig sollen forschungsbasierte Formate des Forschenden Lernens entwickelt werden, um den Wissenstransfer zu verbessern. Dabei können die umfangreichen Erfahrungen aus dem Praxissemester genutzt werden, in dem Lehramtsstudierende eigene empirische Forschungsprojekte durchführen und in Schulen erproben. Zweitens werden Bildungsformate in Zusammenarbeit mit Fachdidaktik und Fachwissenschaft entwickelt, darunter Themen wie gesellschaftliche Ungleichheit, Demokratie, Herrschaft, Macht, sowie globalhistorische und kulturwissenschaftliche Fragen im Kontext der Digitalität. Diese Module richten sich an universitäre, schulische und außerschulische Bildung. Dabei wird die Wirksamkeit dieser Bildungsmaßnahmen empirisch überprüft. Drittens werden Zukunftsfelder wie historische Bildung im Anthropozän konturiert, wobei Kooperationen mit anderen Institutionen der Universität zu Köln, wie dem MESH-Forschungszentrum, bestehen. Dadurch ist das Historische Institut auch hier anschlussfähig an die Exzellenzstrategie der Universität, die explizit auch lehramtsbezogene Forschung betont.